Die Pfade der Meister in der Inka-Tradition

Alto Mesayoq, Pampa Mesayoq und die Tänzer

In der spirituellen Tradition der Hochanden in Peru gibt es zwei Wege, die man beschreiten kann, um Energiearbeit zu praktizieren: Den Pfad des Tänzers, genannt tusuq (tu-such) und den Pfad des Paqo.

Beide sind Experten in Energiearbeit, lediglich die Art und Weise, wie sie das tun, unterscheidet sich, und zwar sehr.
Während die Tänzer Energie vorwiegend mit Hilfe von Tanz und Gesang bewegen, tun die Paqos dies mit Hilfe von zwei Werkzeugen: Zum einen mit despachos, zum anderen mit Hilfe von Übungen bzw. Techniken, die primär per Intention ausgeführt werden.

Martin Quispe Machacca, einer von zwei verbliebenen Hohepriestern (alto mesayoq) der Inka-Tradition in Peru

Mystiker, Priester, Heiler, Schamane

Für das Wort paqo gibt es keine einfache Übersetzung. Diese Menschen nur als Schamanen zu bezeichnen, trifft nicht den Kern des Wortes, auch wenn sie Meister der Heilung und der Zeremonien sind, denn darüberhinaus sind sie auch Priester und Mystiker. Die vielleicht beste Übersetzung lautet Praktizierende(r) der Inka-Tradition.

Ihre Vorgehensweise, Energie nur mit Hilfe der Intention, also „im Geiste“, zu bewegen, bringt es mit sich, dass man rein äußerlich nicht sehen kann, was ein solcher Praktizierender tatsächlich ausführt. Während ein tusuq tanzt, sich bewegt und dabei auch singt, sieht man dem paqo seine Arbeit nicht an. Dadurch erklärt sich, weshalb bis in die 80er Jahre des letzten Jahrtausends so wenig über die paqos, diese Mystiker, Priester, Heiler, Schamanen der Anden, bekannt war: Man sieht ihnen ihre Arbeit einfach nicht an.

Eine Gruppe von Qeros bei einem Despacho, einer Wunschzeremonie der Inkas
Eine Gruppe von Qeros bei einem Despacho, einer Wunschzeremonie der Inkas

Wie man ein paqo wird

In den Hochanden gibt es keinen festgelegten Weg, wie man ein paqo, ein Priester, Heiler oder Schamane wird. Einige paqos beginnen bereits in jungen Jahren, einem paqo (meist einem nahen Verwandten) bei Despacho-Zeremonien zu assistieren. Sie tun dies über Jahre hinweg, bis sie schließlich eine Initiation in die Tradition erhalten und ab dann selbständig als paqo arbeiten. Es gibt aber auch paqos, die zunächst als Bauern arbeiteten, irgendwann sehr krank wurden, zu einem paqo gingen, um sich helfen zu lassen, und von diesem hörten, dass ihr Weg darin bestünde, selbst ein paqo zu werden (was sie nach ihrer Heilung auch taten). Das aus westlicher Sicht vermutlich dramatischste Zeichen, dass die Bestimmung eines Menschen darin liegt, ein paqo zu werden, besteht darin, drei Mal von einem Blitz getroffen zu werden.

Wichtig ist zu wissen, dass jeder Mensch – unabhängig von seiner Herkunft, seiner Kultur, seiner Hautfarbe oder seiner Sprache – ein paqo werden kann. In der westlichen Welt ist es fast unmöglich, einem anderen paqo in jungen Jahren schon zu assistieren oder drei Mal vom Blitz getroffen zu werden, dennoch werden viele Menschen zu Praktizierenden dieser Tradition. Sie spüren nämlich einen inneren Ruf, ein starkes Interesse, und diese Stimme lässt sie Lehrer finden, die sie unterrichten und initiieren.

Eine Gruppe von Qeros bei einem Despacho, einer Wunschzeremonie der Inkas
Eine Gruppe von Qeros bei einem Despacho, einer Wunschzeremonie der Inkas
Eine Gruppe von Qeros bei einem Despacho, einer Wunschzeremonie der Inkas

Der pampa mesayoq

In seinem Leben kann ein paqo zwei unterschiedliche Wege beschreiten: den des pampa mesayoq und den des alto mesayoq. Aufgrund ihrer Kleidung, ihrer Sprache oder der Rituale und Zeremonien sind sie nicht voneinander zu unterscheiden. Worin liegt also der Unterschied zwischen einem Hohepriester (alto mesayoq) und einem normalen Priester (pampa mesayoq)?

Ein pampa mesayoq ist ein Meister der Zeremonien. Er versteht es, mit Hilfe von despachos, einer typischen Zeremonie der Anden, Wünsche zu manifestieren – vom Wunsch nach Heilung über den Wunsch nach einem Partner / einer Partnerin bis hin zum Wunsch nach einer gesunden Llama-Herde oder dem Wunsch nach einem Kind. Diese „kosmische“ Erfüllung von Wünschen kann geschehen, indem der paqo die Kräfte der Mutter Erde um Hilfe bittet und ihre lebendige Energie bewegt und entsprechend lenkt.

Eine Gruppe von Qeros bei einem Despacho, einer Wunschzeremonie der Inkas
Eine Gruppe von Qeros bei einem Despacho, einer Wunschzeremonie der Inkas

Der alto mesayoq

Ein alto mesayoq ist eine Art Hohepriester. Auch er bewegt die Energie des Universums mit Hilfe von despachos, daneben kennt er aber noch viele weitere Techniken, um dies zu erreichen. Der wichtigste Unterschied zum pampa mesayoq liegt jedoch darin, dass der alto mesayoq ein Mystiker ist, jemand, der in direktem Kontakt zu den metaphysischen Kräften des Kosmos steht. Der alto mesaoyq macht nicht nur Zeremonien und bittet darin die Spirits um Hilfe, er spricht auch mit ihnen und erhält von diesen ein direktes, für ihn klar hörbares Feedback. Ein alto mesayoq hatte dazu ein mystisches Erlebnis, in dem beispielsweise ein apu direkt mit ihm sprach und er sich mit diesem unterhielt. Oder er sah eine Erscheinung von Jesus Christus, Mutter Maria, Vater Sonne, Mutter Wasser Mutter Erde oder Vater Wind – und sprach mit diesen Spirits. 

Die Differenzierung zwischen einem alto mesayoq und einem pampa mesayoq gelingt besser, wenn man als Beispiel Franz von Assisi und den damaligen Papst Honorius III. zur Hilfe nimmt: Franz von Assisi war ein einfacher Mönch, der jedoch die Fähigkeit hatte, direkt mit Gott zu sprechen und von ihm auch Antworten zu erhalten. Honorius III. wiederum stand als Pabst in der Hierarchie weit über Franz von Assisi, hatte jedoch nicht diesen “direkten Draht” nach oben.

Beide Priester machten die selben Zeremonien, beide hielten beispielsweise Gottesdienste und nahmen die Beichte ab. Der Unterschied lag vielmehr in ihrem Selbstverständnis: der Pabst hielt sich mangels direktem Kontakt zu Gott sehr genau an die gelernten Kirchenregeln, während dies für Franz von Assisi nicht wichtig war, denn er erhielt ja direktes Feedback von Gott.

Während der eine immer Angst haben musste, etwas falsch zu machen, konnte der andere selbstsicher durchs Leben gehen.

Wenn du die Workshops von Hans-Martin Beck (Heiltechniken der Inkas), die Kurse von Juan Núñez del Prado (Inka-Pfade) oder das Seminar von Elizabeth Jenkins (Die Weisheit von Mutter Erde) besuchst, erhältst du eine fundierte Ausbildung, die dir den Weg des alto mesayoq ermöglicht.

Eine Gruppe von Qeros bei einem Despacho, einer Wunschzeremonie der Inkas
Eine Gruppe von Qeros bei einem Despacho, einer Wunschzeremonie der Inkas
Paqos sind Praktizierende der Inka-Tradition, wie diese Gruppe aus Deutschland.
Eine Gruppe von Praktizierenden der Inka-Tradition (genannt Paqos) vor dem Tempel von Urcos

Tusuq: Tänzer der Anden

Ein tusuq bewegt Energie über den Tanz und über seinen Gesang. Er nutzt seinen Körper und seine Stimme, um eine kraftvolle Energie zwischen sich und dem Heiligen aufzubauen, für den er tanzt, so dass ihn diese Verbindung ein ganzes Jahr lang nährt.

Einen einheitlichen Weg, um Tänzer zu werden, gibt es nicht – viele Tänzer treten ihrer Gruppe im Kindesalter von sechs oder sieben Jahren bei, andere aber auch erst im Erwachsenenalter. Ich selbst kenne zwei Tänzer, die als Erwachsene zur Tänzergruppe gestoßen waren und ihre Beweggründe dafür sind genauso spannend, wie das Leben selbst.
Ein Tänzer übt das ganze Jahr mit seiner Gruppe sämtliche Gesänge und Bewegungsabläufe und investiert sehr viel Zeit und Hingabe. Manche Feste dauern nur einen Tag, andere eine ganze Woche – aber immer wird aus ganzem Herzen getanzt, gesungen und musiziert. Denn der Tusuq versteht sein ganzes Handeln als Ehrung für den Heiligen bzw. die Heilige selbst, für den Ort, an dem er tanzt, und für die verstorbenen Mitglieder seiner Tänzergruppe.

Während des Festes zu Ehren von Señor de Qoyllurrit’i beispielsweise tanzen insgesamt 12 Gruppen mit jeweils 10-15 Tänzern. Zwei Tagelang tanzt immer eine Gruppe nach der anderen, so dass non-stop, 24 Stunden am Tag getanzt und gesungen wird. Dabei wird jede Gruppe von einer kleinen Kapelle begleitet, die meist aus einem Rhythmustrommler und ein bis zwei Geigenspielern besteht und Melodie und Takt angeben.

Zwei Tage lang, 24 Stunden am Tag, Tag und Nacht, wird getrommelt, getanzt und gesungen. Niemals herrscht bei diesem Fest auch nur für einen Moment Stille. Und das Publikum besteht aus etwa 80.000 Menschen, die ihre Energie ebenso hineingeben.

Die Energie, die dort herrscht, ist wirklich intensiv und fast schon körperlich spürbar – und nicht selten gehen in Qoyllur Rit’i  Wünsche schon nach kurzer Zeit in Erfüllung!

Wenn du Interesse hast, das Fest von Qoyllurrit’i selbst zu erleben und seinen Zauber zu spüren, findest du auf der Events-Seite weitere Informationen dazu.

Eine Gruppe von Praktizierenden der Inka-Tradition (genannt Paqos) vor dem Tempel von Urcos

Heilige Feste der Paqos und der Tänzer

Im Andenraum gibt es während eines Jahres mehr als 12 heilige Feste. Zu den wichtigsten gehören sicherlich das Fest zu Ehren von Señor de Qoyllurrit’i (eine andere Bezeichnung für Jesus Christus) auf 4.700m Höhe, zu Ehren der Jungfrau von Carmen (Virgen del Carmen) in Paucartambo und zu Ehren von Señor de los Templores (Herr der Erdbeben) in Cusco.

Paqos und Tänzer pilgern dorthin, um sich dort mit den Spirits und der Energie des Ortes zuverbinden; und wenn sie am Ende wieder nach Hause gehen, sind sie mit diesem Ort durch eine unsichtbare, energetische Nabelschnur (seqe) verbunden, die sie das ganze Jahr hindurch mit Energie versorgt.

Eine Gruppe von Praktizierenden der Inka-Tradition (genannt Paqos) vor dem Tempel von Urcos
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