
Die kulturelle Revolution von Pachakuti Inka Yupanki
Über Entstehung und Bedeutung des Wortes PAQO
Häufig werden indigene Menschen in traditioneller Kleidung aus den Hochanden von Peru, die die spirituelle Tradition der Inkas praktizieren, als Paqo bezeichnet. Da diese Männer und Frauen Heilsitzungen geben, Initiationen durchführen oder auch Despacho-Zeremonien machen, werden sie oft als Heiler, Schamanen oder Medizinmänner bzw. Medizinfrauen bezeichnet.
Wusstest du, dass es viele Paqos in Europa und den USA gibt? Und dass diese Paqos überhaupt keine ethnische Beziehung zu den Nachfahren der Inkas haben?
In diesem Blogbeitrag geht es um den Ursprung des Wortes Paqo und damit auch um die kulturelle Revolution von Pachakuti Inka Yupanki im 15. Jahrhundert.
Woher kommt das Wort PAQO?
Zur Zeit von Pachakuti Inka (1438 – 1478) trugen die Mitglieder des Inka-Adels einen speziellen Ohrschmuck, an dem man sie erkennen konnte. Es handelte sich dabei um Kegel aus Gold, die man im Ohrläppchen trug. Dieser Ohrschmuck hieß PAQO – großer goldener Ohrring – und der Träger dieses Schmuckstückes wurde PAQOYOQ genannt.
Je größer der goldene Kegel im Ohrläppchen war, desto weiter oben war sein Träger bzw. seine Trägerin in der Hierarchie angesiedelt.
Bis Pachakuti Inka Yupanki 1438 zum Inka gekrönt wurde, waren die Inkas eine normale königliche Dynastie, also eine Aristokratie der Blutsverwandtschaft.
Mit den Veränderungen, die Pachakuti einführte, dehnte sich das Reich in kurzer Zeit jedoch so weit aus, dass es nach kurzer Zeit nicht mehr genügend Adlige gab, um zentrale Positionen (beispielsweise in der Verwaltung, im Bau oder im Militär) adäquat zu besetzen.
Daher beschloss Pachakuti, den Adels-Status auszuweiten, und zwar auf alle fähigen Menschen, die Qechua sprachen.
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Abkehr von der Blutsverwandschaft
Bereits im 15. Jahrhundert also erfolgte die Transformation der gesellschaftlichen Hierarchie von der Blutsverwandtschaft hin zu einer kulturellen Auswahl, nämlich der Sprache – und Sprache ist etwas, das jeder Mensch erlernen kann.
Doch das Reich wuchs weiter und wurde bald so groß, dass auch die fähigen Qechua-Sprechenden nicht ausreichten, um wichtige Positionen im Reich zu bekleiden. So entschied Pachakuti Inka Yupanki, die Fähigsten aller Völker seines Reiches in den Adelsstand zu erheben und machte sie zu KURAQ KAQ („Wie die Ältesten“).
In diesem Moment veränderte er die Herrschaftsform erneut.
Erfolgte die Transformation im ersten Schritt von der Blutsverwandtschaft zur kulturellen Auswahl, führte er in diesem zweiten Schritt die Meritokratie ein.
Einführung der Meritokratie
Meritokratie leitet sich aus dem englischen Wort „Merit“ ab (Verdienst) und bezeichnet eine Herrschaftsform, in der Menschen ausschließlich wegen ihrer Leistungen oder Verdienste führende Positionen als Vorgesetzte oder Amtsträger besetzen.
Das Inka-Reich wurde also von einem Inka-Adel regiert, der sich aus der königlichen Familie, den fähigen Qechua-Sprechenden und den Fähigen aller anderen Regionen des Reiches zusammensetzte.
Sie alle nannte man PAQOYOQ und man erkannte sie anhand ihres Ohrschmucks (PAQO).
Später erhielt der Ausdruck PAQO die Bedeutung eines Ältesten bzw. eines Bewahrers der Tradition – jemand, der die Grundlagen und Bedeutungen der Tradition kennt, versteht und mit ihnen umgehen kann.
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Weshalb es heute Paqos auf der ganzen Welt gibt
Eine Kultur lebt nicht in sich, sondern immer in den Menschen. Inzwischen gibt es viele Menschen auf der Welt, die diese Kultur leben – sie alle sind PAQOS.
Der einzige Unterschied zu damals besteht heute darin, dass Paqos keine großen goldenen Ohrschmuck tragen; sie sind dennoch erkennbar, nämlich an ihrer Misha und wenn sie Despachos machen.
Wenn du mehr zu diesem Thema lesen möchtest, empfehle ich dir folgendes Buch:
Inca culture at the time of the Spanish conquest
John Howland Rowe, 1946





